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Ratgeber · Säule GründenSelbstständig machen: online gründen oder einen Betrieb übernehmen
Buchstaben hinter Zahlen zeigen die Herkunft: A amtlich · S Selbstauskunft · E meine Einschätzung. Alle Kennzeichen erklärt.
Wer sich selbstständig machen will, steht früh vor einer Entscheidung, die in den meisten Ratgebern fehlt. Gründest du etwas Neues, oder übernimmst du einen Betrieb, der schon Kunden und Umsatz hat?
Ich habe 2011 meine erste Digitalagentur gegründet und war davor und danach an mehreren Startups beteiligt. Was mir am Anfang gefehlt hat, war ein ruhiger Vergleich der Wege, mit Zahlen, die eine Quelle haben, statt mit Versprechen.
Für den ersten Weg findest du auf x8 über 500 geprüfte Geschäftsideen E mit Startkapital und Rechenweg, für den zweiten Betriebe mit Nachfolgersuche. Auf dieser Seite stelle ich beide Wege nebeneinander, gehe die Schritte der Gründung der Reihe nach durch und zeige, was der Start in die Selbstständigkeit kostet.
Kurz gesagt: Selbstständig machen ist der Schritt, Einkommen auf eigene Rechnung und eigenes Risiko zu erzielen, statt gegen Lohn für einen Arbeitgeber zu arbeiten. Dazu meldest du ein Gewerbe beim Gewerbeamt oder eine freiberufliche Tätigkeit beim Finanzamt an. Es gibt zwei Wege: Du gründest etwas Neues, oft online, oder du übernimmst einen bestehenden Betrieb.
Was heißt es, sich selbstständig zu machen?
Sich selbstständig machen heißt, dass du deine Arbeit selbst organisierst und das wirtschaftliche Ergebnis selbst trägst. Drei Merkmale unterscheiden eine selbstständige Tätigkeit von einer Anstellung:
- Du arbeitest auf eigene Rechnung, du schreibst also Rechnungen, statt eine Lohnabrechnung zu bekommen.
- Niemand erteilt dir Weisungen, wann, wo und wie du arbeitest.
- Du trägst das Risiko, denn wenn Aufträge ausbleiben, bleibt auch das Einkommen aus.
Rechtlich gibt es zwei Formen. Wer gewerbetreibend ist, also etwa einen Online-Shop, eine Agentur oder einen Handwerksbetrieb führt, meldet ein Gewerbe an. Freie Berufe nach § 18 EStG brauchen keine Gewerbeanmeldung und zahlen keine Gewerbesteuer. Zu diesen Berufen zählen unter anderem Ärztinnen, Architekten, Journalistinnen, Übersetzer und Ingenieure. Die Grenze ist nicht immer eindeutig, bei IT-Berufen und in der Beratung entscheidet das Finanzamt im Einzelfall. Für manche Tätigkeiten brauchst du zusätzlich eine Genehmigung oder eine bestimmte Qualifikation, etwa den Meisterbrief in einem zulassungspflichtigen Handwerk.
Zwei Wege: neu gründen oder einen Betrieb übernehmen
Neu gründen und einen Betrieb übernehmen sind zwei Formen der Existenzgründung, die sich in fast jeder Kennzahl unterscheiden. Laut KfW-Gründungsmonitor gab es 2025 in Deutschland rund 690.000 Gründungen S. Davon waren 86 % Neugründungen S, und 14 % bauten auf einem bestehenden Unternehmen auf, durch Übernahme oder Beteiligung S. Gleichzeitig stehen nach einer Schätzung des IfM Bonn von 2026 bis 2030 rund 186.000 Unternehmen zur Übergabe an M. Die Übernahme ist also seltener, als das Angebot an Betrieben vermuten ließe.
| Merkmal | Neu gründen (online) | Betrieb übernehmen |
|---|---|---|
| Startkapital | bis 500 € oder 500 bis 5.000 € in allen 66 fertigen Steckbriefen E | 50.000 bis 500.000 € Kaufpreis, meist finanziert E |
| Zeit bis zum ersten Euro | 1 bis 3 Monate in 48 von 66 Steckbriefen E | Umsatz läuft ab dem Tag der Übergabe weiter |
| Wochenstunden | 11 bis 20 Stunden in 42 von 66 Steckbriefen E | meist Vollzeit |
| Kunden am ersten Tag | keine, du baust sie selbst auf | vorhandener Kundenstamm |
| Typisches Risiko | niemand zahlt für dein Angebot | zu hoher Kaufpreis, Kunden hängen am Vorgänger |
| Nebenbei möglich | ja, so starten sieben von zehn Gründungen S | selten, ein Betrieb braucht dich meist ganz |
Startkapital, Zeit bis zum ersten Euro und Wochenstunden für die Neugründung stammen aus den Datenboxen der 66 fertigen x8-Steckbriefe, ausgezählt am 29.10.2026. Die Werte zur Übernahme sind meine Einschätzung.
Online gründen: klein anfangen und schnell testen
Online gründen ist der Weg mit der niedrigsten Einstiegshürde. 44 % aller Gründungen 2025 waren digital S, ein Jahr zuvor waren es 36 % S. In meinen Steckbriefen liegt das Startkapital bei 19 von 66 Geschäftsideen in der untersten Stufe bis 500 € E, vor allem bei Dienstleistungen und digitalen Produkten. Ein Beispiel ist freiberufliches Texten, das kaum Startkapital braucht und oft schon nach weniger als einem Monat die erste Rechnung bringt E. Dafür hängt der Umsatz direkt an deinen Arbeitsstunden. Wie sich solche Modelle bei Kapital, Zeit und Skalierbarkeit unterscheiden, zeigen die elf Geschäftsmodelle im Vergleich. Der Vorteil dieses Weges liegt darin, dass du eine Geschäftsidee mit wenig Geld am Markt testen kannst, bevor du mehr Zeit und Kapital hineinsteckst.
Einen Betrieb übernehmen: Kunden und Umsatz ab dem ersten Tag
Wer einen Betrieb übernimmt, kauft etwas, das bereits funktioniert. Dazu gehören ein Kundenstamm, eingearbeitetes Personal, eingespielte Lieferanten und oft eine Zulassung, die du allein erst erwerben müsstest. Ist die Übergabe gut vorbereitet, läuft der Umsatz vom ersten Tag an weiter. Der Preis dafür ist der Kapitalbedarf: Bei kleinen Betrieben rechne ich mit einem Kaufpreis von 50.000 bis 500.000 € E, den kaum jemand aus eigenen Mitteln bezahlt. Finanziert wird meist mit einem Eigenanteil, einem Kredit der Hausbank und Förderprogrammen der KfW. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer bieten Menschen, die einen Betrieb übernehmen wollen, ein kostenloses Erstgespräch an. Wie Suche, Bewertung und Übergabe im Einzelnen laufen, beschreibe ich im Ratgeber zum Ablauf einer Betriebsübernahme.
Welcher Weg passt zu dir?
Welcher Weg in die Selbstständigkeit zu dir passt, hängt weniger von der Branche ab als von deiner Lage und deinem Naturell. Vier Fragen helfen dabei, das zu sortieren:
- Wie viel Kapital kannst du einsetzen, ohne dass ein Verlust deine Existenz gefährdet?
- Wie viele Stunden pro Woche hast du realistisch, neben Familie und vielleicht einem Job?
- Wie viel Unsicherheit hältst du aus, wenn ein paar Monate lang kaum Geld hereinkommt?
- Willst du Menschen führen, oder arbeitest du lieber allein und konzentriert?
Wer wenig Kapital, aber Zeit und Fachwissen mitbringt, ist mit einer Dienstleistung oder einem digitalen Produkt meist gut bedient. Wer Kapital oder Zugang zu einem Kredit hat, gern führt und Planbarkeit schätzt, sollte die Übernahme ernsthaft prüfen. Dazu kommt die Persönlichkeit. x8 unterscheidet die acht Gründertypen, vom pragmatischen Macher bis zum detailverliebten Fachexperten. Wenn du wissen willst, welcher Typ du bist und welche Geschäftsmodelle dazu passen, hilft dir der Gründertyp-Test. Er fragt am Ende auch, ob du eher Zeit oder eher Kapital mitbringst und wie viel Risiko du eingehen willst.
Wie macht man sich selbstständig? Sieben Schritte
Wie man sich selbstständig macht, ohne sich zu verzetteln, lässt sich in sieben Schritten beschreiben. Ich empfehle eine Reihenfolge, die das Prüfen vor das Planen stellt. Die Schritte gelten für Gewerbe und freie Berufe gleichermaßen, nur die Anmeldung unterscheidet sich.
1. Geschäftsidee prüfen
Der erste Schritt in die Selbstständigkeit ist die Prüfung deiner Geschäftsidee, nicht der Businessplan. Beantworte zuerst drei Fragen: Wer ist deine Zielgruppe, was zahlt sie wofür, und wann kommt der erste Euro? Hast du darauf keine Antwort mit einer Zahl, hilft auch kein ausgefeilter Plan. Für den Anfang reicht eine Skizze mit dem Business Model Canvas. Ein Gespräch mit einer Handvoll möglicher Kunden ist oft aufschlussreicher als jede Marktstudie. Nach welchem Schema ich vorgehe, steht unter wie ich Geschäftsideen prüfe.
2. Kapital und Lebenshaltung planen
Plane Startkapital und Lebenshaltung getrennt. Das Startkapital deckt Ausstattung, Software, Anmeldung und erste Werbung. Die Rücklage deckt deine privaten Kosten für die Monate, in denen das Geschäft noch keinen Gewinn abwirft. Der Rechenweg ist einfach: monatliche Lebenshaltung mal Monate bis zum Gewinn, plus Startkapital. In einer Beispielrechnung mit 2.000 € Lebenshaltung, sechs Monaten Anlauf und 3.000 € Startkapital brauchst du 15.000 € E. Wer hauptberuflich angestellt bleibt und nebenher startet, braucht diese Rücklage kaum.
3. Rechtsform wählen
Die Wahl der Rechtsform entscheidet über Haftung, Aufwand und Steuern. Viele Gründer starten allein als Einzelunternehmen, weil es weder Mindestkapital noch Notar braucht. Dafür haftest du mit deinem Privatvermögen. Wer größere Haftungsrisiken hat, etwa bei Software für Firmenkunden oder im Handel, prüft eine GmbH. Sie braucht ein Stammkapital von mindestens 25.000 € A. Die UG (haftungsbeschränkt) ist die kleine Variante, die mit weniger Stammkapital gegründet werden kann (§ 5a GmbHG). Für die passende Rechtsform lohnt ein Gespräch mit einem Steuerberater oder einer Steuerberaterin.
4. Gewerbe oder freien Beruf anmelden
Gewerbetreibende melden ihr Gewerbe beim Gewerbeamt der Gemeinde an, in vielen Städten auch online. Die Gewerbeanmeldung erfolgt zum Beginn der Tätigkeit, die Gebühr legen Land oder Kommune fest. Das Gewerbeamt gibt die Anmeldung an Finanzamt und Kammer weiter. Mit dem Begriff Kleingewerbe ist meist ein Gewerbe gemeint, das keinen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert und deshalb nicht ins Handelsregister muss (§ 1 Abs. 2 HGB). Freie Berufe melden sich nur beim Finanzamt an. Für beide gilt: Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung übermittelst du innerhalb eines Monats nach Beginn über ELSTER A.
5. Steuern verstehen
Wer sich selbstständig macht, hat steuerlich mit bis zu drei Steuern zu tun. Die Einkommensteuer zahlst du auf deinen Gewinn, meist über Vorauszahlungen, die das Finanzamt festsetzt. Die Umsatzsteuer stellst du deinen Kunden in Rechnung, es sei denn, du nutzt die Kleinunternehmerregelung. Sie gilt, solange dein Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 € A und im laufenden Jahr höchstens 100.000 € A beträgt. Im Gründungsjahr zählt die Grenze von 25.000 €, und wer sie überschreitet, verliert die Regelung sofort A. Gewerbesteuer zahlen nur Gewerbetreibende, als Einzelunternehmen erst bei einem Gewerbeertrag über 24.500 € A.
6. Krankenversicherung klären
Wer sich hauptberuflich selbstständig macht, versichert sich gesetzlich als freiwilliges Mitglied oder privat. In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlst du den ganzen Beitrag allein. Das sind 14,6 % A mit Anspruch auf Krankengeld oder 14,0 % A ohne, dazu der Zusatzbeitrag deiner Kasse von durchschnittlich 2,9 % im Jahr 2026 A. Berechnet wird mindestens ein Einkommen von 1.318,33 € im Monat A. Daraus ergibt sich mit Krankengeld ein Mindestbeitrag von rund 231 € E, plus rund 55 € Pflegeversicherung für Kinderlose A.
7. Konto, Versicherungen und Buchhaltung
Ein eigenes Konto für das Geschäft empfehle ich vom ersten Tag an, weil es Buchhaltung und Steuererklärung deutlich vereinfacht. Welche Versicherung du brauchst, hängt von der Branche ab. Eine Betriebshaftpflicht ist für die meisten sinnvoll, in Beratung und IT kommt oft eine Vermögensschadenhaftpflicht dazu. Einzelunternehmen ohne Handelsregistereintrag und freie Berufe ermitteln ihren Gewinn mit der Einnahmen-Überschuss-Rechnung, die sich mit einfacher Software gut selbst erledigen lässt. Kümmere dich außerdem früh um deine Altersvorsorge, denn ohne Arbeitgeber zahlt niemand automatisch für dich ein.
Stand der Rechtswerte: 29.10.2026. Grenzen, Freibeträge und Beitragssätze ändern sich meist zum Jahreswechsel. Diese Seite ersetzt keine Beratung. Für deinen Einzelfall: Steuerberatung, Krankenkasse, Kammer.
Online selbstständig machen: was anders läuft
Online selbstständig machen funktioniert rechtlich wie jede andere Gründung, bringt aber drei Besonderheiten mit. Für deine Website oder deinen Shop brauchst du ein Impressum mit Name, Anschrift und Kontaktdaten (§ 5 DDG). Verkaufst du an Verbraucher, haben sie bei Fernabsatzverträgen in der Regel ein Widerrufsrecht (§ 312g BGB), das 14 Tage dauert A und über das du belehren musst. Außerdem hängst du oft an Plattformen, denn Marktplätze, App-Stores und Suchmaschinen ändern Regeln und Gebühren, ohne dich zu fragen. In den Steckbriefen bewerte ich das als Kanalabhängigkeit auf einer Skala von 1 bis 4, vom eigenen Kundenzugang bis zur vollständigen Plattformabhängigkeit E.
Der größte Vorteil liegt darin, dass du dich von zuhause selbstständig machen kannst, ohne Ladenlokal und mit wenig Startkapital. Die Notwendigkeit eines physischen Geschäfts entfällt. Am leichtesten gelingt der Einstieg in die Selbstständigkeit, wenn du eine Fähigkeit verkaufst, die du schon hast, und als Freelancer starten kannst. Wer lieber einmal produziert und dann oft verkauft, kann digitale Produkte verkaufen, etwa Vorlagen, E-Books oder Kurse. Bei beiden Modellen ist das Business klein im Start und lässt sich Schritt für Schritt ausbauen.
Ohne Eigenkapital oder ohne eigene Geschäftsidee starten
Ohne Eigenkapital selbstständig machen gelingt am ehesten mit einer Dienstleistung, bei der du deine eigene Zeit verkaufst. Texten, virtuelle Assistenz oder Social-Media-Ghostwriting brauchen einen Laptop, eine einfache Website und erste Kunden, aber kaum Investitionen. In meinen Steckbriefen liegen alle drei in der Startkapital-Stufe bis 500 € E. Damit bist du nicht allein: 38 % der Gründungen 2025 kamen mit höchstens 1.000 € an Finanzmitteln aus S. Ein kleiner Start ist also eher die Regel als die Ausnahme. Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, kann zusätzlich einen Zuschuss der Arbeitsagentur beantragen, mehr dazu bei den Kosten.
Ohne eigene Geschäftsidee selbstständig zu werden, klingt widersprüchlich, ist aber ein bewährter Weg. Du übernimmst dann ein Business-Modell, das schon funktioniert. Die erste Möglichkeit ist ein Franchise mit erprobtem Konzept. Marke, Abläufe und Einkauf kommen vom Franchisegeber, dafür zahlst du eine Eintrittsgebühr und laufende Abgaben. Zweitens kannst du eine bestehende Website kaufen, die schon Besucher und Einnahmen hat. Die dritte Möglichkeit ist die Übernahme eines Betriebs, wie oben beschrieben. In allen drei Fällen kaufst du Erfahrung ein, die du sonst selbst sammeln müsstest, und bezahlst dafür mit Kapital statt mit Zeit.
Erst nebenbei, dann ganz?
Erst nebenbei zu gründen ist in Deutschland der Normalfall. 2025 starteten 483.000 der rund 690.000 Gründungen im Nebenerwerb S, also etwa sieben von zehn. Ihr mittlerer Finanzmitteleinsatz lag bei 2.000 € S, bei Gründungen im Vollerwerb bei 15.000 € S. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn dein Gehalt trägt die Lebenshaltung, und du kannst die Geschäftsidee ohne Druck testen. Der Nachteil ist die Zeit, weil Abende und Wochenenden begrenzt sind. Was du beim Arbeitgeber, bei der Anmeldung und bei der Krankenkasse beachten musst, wenn du nebenberuflich gründen willst, steht im Ratgeber zum Start neben dem Job.
Was kostet es, sich selbstständig zu machen?
Was es kostet, sich selbstständig zu machen, hängt fast vollständig vom gewählten Weg ab. Pauschale Kostentabellen ohne Quelle helfen deshalb wenig. Ich trenne lieber zwischen den Grundkosten, die fast jede Gründung hat, und dem Startkapital, das vom Geschäftsmodell abhängt.
- Einmalig: Gebühr für die Gewerbeanmeldung, bei GmbH oder UG zusätzlich Notar und Handelsregister, dazu Ausstattung und Website.
- Laufend: Software für Buchhaltung, Versicherungen und bei hauptberuflichem Start die Krankenversicherung, ohne Kinder mindestens rund 286 € im Monat E.
| Startkapital (x8-Skala) | Typische Geschäftsmodelle |
|---|---|
| bis 500 € | Dienstleistungen mit eigener Zeit, einfache digitale Produkte |
| 500 bis 5.000 € | Agenturen, Online-Kurse, kleine Software-Produkte |
| 5.000 bis 50.000 € | Online-Shop mit Lager, Automaten, kleinere Franchise-Konzepte |
| 50.000 bis 250.000 € | Kauf einer etablierten Website, Übernahme eines kleinen Betriebs |
| über 250.000 € | Übernahme eines Betriebs mit Personal |
Die Stufen sind die Startkapital-Skala von x8, angelehnt an die Kapitalbänder der KfW. Die Zuordnung der Geschäftsmodelle ist meine Einschätzung (E).
Für die Finanzierung gibt es Fördermittel, die du vor dem Start beantragen musst. Wer Arbeitslosengeld bezieht und hauptberuflich gründet, kann bei der Agentur für Arbeit den Gründungszuschuss beantragen. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht, und nötig ist unter anderem die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle zur Tragfähigkeit. Als Kredit bietet die KfW den ERP-Gründerkredit StartGeld mit bis zu 200.000 € je Vorhaben A, beantragt über die Hausbank. Weitere Förderprogramme von Bund und Ländern listet das Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Wie viele Gründungen bestehen nach fünf Jahren noch?
Wie viele Gründungen nach fünf Jahren noch bestehen, hängt laut KfW-Gründungsmonitor deutlich vom eingesetzten Kapital ab. Von allen untersuchten Gründungen der Jahre 2016 bis 2024 waren nach fünf Jahren noch etwa 61 % am Markt aktiv S. Nach Höhe der eingesetzten Finanzmittel sieht das so aus:
- bis 5.000 €: 54 % noch aktiv S
- über 5.000 bis 50.000 €: 68 % noch aktiv S
- über 50.000 €: 80 % noch aktiv S
Das ist ein Zusammenhang, keine Ursache. Wer mehr Kapital einsetzt, bringt oft mehr Erfahrung mit, plant gründlicher und gründet von Anfang an auf Dauer. Die KfW weist selbst darauf hin, dass Gründungen mit wenig Kapital häufiger von vornherein befristet angelegt sind. Ein kleiner Start ist deshalb kein Fehler. Er ist ein guter Grund, die eigene Geschäftsidee früh mit zahlenden Kunden zu prüfen, statt auf Hoffnung zu bauen. Wer erfolgreich selbstständig sein will, braucht vor allem diesen frühen Abgleich mit der Wirklichkeit.
Häufige Fragen zum Selbstständig machen
Welche Selbstständigkeit bringt am meisten Geld?
Am meisten Geld bringt selten ein bestimmter Beruf, sondern ein Modell, das wiederkehrenden Umsatz mit wenig zusätzlicher Zeit verbindet. In meinen Steckbriefen ist die Spanne innerhalb eines Modelltyps meist größer als zwischen den Typen E. Eine Agentur kann ein kleiner Nebenverdienst bleiben oder ein Betrieb mit Angestellten werden. Deshalb nenne ich je Geschäftsidee eine Umsatzklasse und, wo möglich, den Median statt einzelner Erfolgsgeschichten. Welche Selbstständigkeit sich lohnt, entscheidet am Ende, ob du zahlende Kunden findest und wie viel deiner Zeit jeder Euro kostet.
Wie viel Umsatz brauche ich für 3.000 Euro netto?
Mein Rechenweg gilt für eine alleinstehende Person ohne Kinder, gesetzlich versichert mit Krankengeld, mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag und dem Einkommensteuertarif 2026. Bei rund 57.500 € Gewinn im Jahr E fallen rund 10.100 € Krankenversicherung E, rund 2.400 € Pflegeversicherung E und rund 9.000 € Einkommensteuer E an. Übrig bleiben rund 36.000 € im Jahr, also 3.000 € im Monat E. Altersvorsorge und Betriebskosten kommen noch dazu. Du brauchst also rund 4.800 € Gewinn im Monat E. Dein Umsatz liegt um die Kosten höher, und über der Kleinunternehmergrenze kommt die Umsatzsteuer dazu.
In welcher Branche lohnt es sich, sich selbstständig zu machen?
Ich würde weniger nach der Branche fragen als nach drei Eigenschaften des Geschäfts. Gibt es Kunden, die für die Lösung ihres Problems schon heute Geld ausgeben? Kommt der Umsatz wiederkehrend, etwa im Abo oder über Stammkunden, statt mit jedem Auftrag neu? Und ist die Zulassungshürde niedrig genug, damit du ohne lange Qualifikation starten kannst? Geschäfte, die alle drei Fragen erfüllen, gibt es online ebenso wie vor Ort. Im Handwerk verzögert allerdings die Meisterpflicht in vielen Gewerken den Start.
Kann ich mich als Angestellter selbstständig machen?
Ja, und die meisten Menschen fangen genau so an, denn sieben von zehn Gründungen starten im Nebenerwerb S. Prüfe vorher deinen Arbeitsvertrag, weil viele Verträge verlangen, dass du eine Nebentätigkeit anzeigst. Konkurrenz zum eigenen Arbeitgeber ist während der Anstellung in der Regel untersagt. Bei der Krankenkasse bleibst du meist über die Anstellung versichert, solange die Selbstständigkeit die Nebensache bleibt. Mehr dazu steht oben im Abschnitt über den Start nebenbei.
Brauche ich einen Businessplan?
Für einen Bankkredit, den Gründungszuschuss und die meisten Förderprogramme brauchst du einen Businessplan. Er muss Bank oder fachkundige Stelle überzeugend zeigen, dass sich dein Vorhaben trägt. Für einen kleinen Online-Start ohne fremdes Geld reicht oft ein ehrlicher Rechenweg mit Zielgruppe, Preis, Kosten und Zeit bis zum ersten Euro. Die Erstellung eines vollständigen Plans lohnt sich, sobald du Geld von anderen brauchst, etwa von Bank, Förderbank oder Investor. Bis dahin ist die Prüfung der Geschäftsidee wichtiger als ein dickes Dokument.
Kann ich mich ohne Meister oder Ausbildung selbstständig machen?
In den meisten Bereichen ja, denn in Deutschland gilt die Gewerbefreiheit, und eine Ausbildung ist für ein Gewerbe grundsätzlich keine Voraussetzung. Ausnahmen sind zulassungspflichtige Handwerke, für die du in der Regel einen Meisterbrief oder eine gleichwertige Qualifikation brauchst. Dazu kommen erlaubnispflichtige Gewerbe wie Immobilienmakler, Bewachung oder Versicherungsvermittlung. Auch freie Berufe wie Ärztin oder Rechtsanwalt setzen eine Berufszulassung voraus. Online-Dienstleistungen, digitale Produkte und die meisten Agenturmodelle kannst du dagegen ohne formale Qualifikation starten.
Wenn du noch nicht weißt, welcher Weg zu dir passt, ist der Test ein guter erster Schritt.
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Woher stammen die Zahlen auf dieser Seite?
Jede Zahl trägt ein Kennzeichen. Fährst du mit der Maus darüber, steht die Herkunft im Klartext. Was ich selbst gerechnet oder eingeschätzt habe, ist immer mit E markiert und im Text begründet.
Quellen und Prüfstand
- KfW, Pressemitteilung vom 19.05.2026 zum Gründungsmonitor 2026 (Gründungen 2025, Nebenerwerb, Vollerwerb, digital, derivativ). kfw.de
- KfW-Gründungsmonitor 2026, Seite 13 (Finanzmitteleinsatz 2025, Median Voll- und Nebenerwerb). kfw.de
- KfW-Gründungsmonitor 2025 (Juni 2025), Seite 18, Grafik 28: Bestandsfestigkeit nach Finanzmitteleinsatz, Gründungen 2016 bis 2024. ihk.de
- IHK Dresden, 14.01.2026: Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030 (Schätzung IfM Bonn). ihk.de
- § 19 UStG, Kleinunternehmer, Fassung seit 01.01.2025. gesetze-im-internet.de
- IHK Heilbronn-Franken, Kleinunternehmerregelung in der Umsatzsteuer, 08.12.2025 (Gründungsjahr). ihk.de
- § 11 GewStG, Freibetrag für Personenunternehmen. gesetze-im-internet.de
- § 18 EStG, freie Berufe. gesetze-im-internet.de
- § 138 AO, Fragebogen zur steuerlichen Erfassung; Frist laut Verwaltungsportal des Bundes: ein Monat nach Betriebseröffnung. verwaltung.bund.de
- § 1 HGB, Kaufmann und Handelsgewerbe. gesetze-im-internet.de
- § 5 und § 5a GmbHG, Stammkapital und UG (haftungsbeschränkt). gesetze-im-internet.de
- § 5 DDG, Impressum. gesetze-im-internet.de
- § 312g und § 355 BGB, Widerrufsrecht. gesetze-im-internet.de
- § 241 und § 243 SGB V, allgemeiner und ermäßigter Beitragssatz. gesetze-im-internet.de
- Bundesministerium für Gesundheit, durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz 2026, BAnz AT 10.11.2025 B7. bundesanzeiger.de
- Salus BKK, Einstufungsrichtlinien für freiwillig Versicherte, Stand 01.01.2026 (Mindestbemessungsgrundlage, Pflegeversicherung). salus-bkk.de
- § 32a EStG, Einkommensteuertarif 2026 (Grundfreibetrag 12.348 €). gesetze-im-internet.de
- KfW, Merkblatt ERP-Gründerkredit StartGeld (067), Stand 18.06.2026. kfw.de
- Gründungszuschuss, Leistungsbeschreibung Bundesagentur für Arbeit im FIM-Portal. fimportal.de
- x8-Steckbriefe, 66 fertige Steckbriefe im Bereich Gründen, Datenboxen ausgezählt am 29.10.2026 (Startkapital, Zeit bis zum ersten Euro, Wochenstunden); x8-Taxonomie v3.3 (Startkapital-Skala, Kanalabhängigkeit).
Änderungsprotokoll: 29.10.2026 Erstfassung.
